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	<title>Kita Archive - Mama-Jobs.ch</title>
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		<title>Kindergarten im Bundesrat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vera Beutler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2020 08:04:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen und Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei den Kindern geht dem Bundesrat die Puste aus «Ui. Da durfte eine Frau nicht 30 Pack WC-Papier kaufen und ist deswegen mit der ganzen Ladung ohne zu bezahlen aus dem Laden gerannt!» Meine Kinder schauten mich ungläubig an, wie so oft in der letzten Zeit. «Corona-Virus» ist der erste<a class="moretag" href="https://blog.mama-jobs.ch/kindergarten-im-bundesrat/"> Weiterlesen&#8230;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Bei den Kindern geht dem Bundesrat die Puste aus</h2>



<p>«Ui. Da durfte eine Frau nicht 30 Pack WC-Papier kaufen und ist
deswegen mit der ganzen Ladung ohne zu bezahlen aus dem Laden gerannt!» Meine
Kinder schauten mich ungläubig an, wie so oft in der letzten Zeit. «Corona-Virus»
ist der erste medizinische Fachbegriff, den sie kennen, nennen tun sie ihn
einfach das «doofe» Virus. Das «doofe» Virus hat uns im Griff, unsere Gedanken,
unsere Familie, unseren Job, unser Alltag. Wie viele andere arbeite ich mehr
als üblich, fahre im Übrigen aber hinunter: Kein Arbeitsweg, keine
Auswärtstermine, keine Verabredungen, keine Vereins- oder andere Sitzungen. </p>



<p>Der Bundesrat aber, der sitzt und beschliesst in einem Tempo, von
dem ich in meinen Zeiten als Juristin in der Bundeskanzlei nicht mal wusste,
dass es das gibt. Und er macht das gut, durchdacht, besonnen. Meistens. Ab und
zu mit ein paar Patzern, aber diese zu kritisieren ist einfach, wenn man selber
nicht die ganze Schweiz notfallmässig neu organisieren muss. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Eltern müssen zaubern</h2>



<p>Aber sobald es um Familien und Kinder geht, kann ich nicht mehr
guten Gewissens von Patzern reden. Angefangen hat es zwar nicht schlecht. Der
Bundesrat schloss die Schulen nicht, weil sonst die gefährdeten Grosseltern
einspringen würden. Aber dann schloss er die Schulen doch. Mit einer Vorlaufzeit
von einem Wochenende, an dem Eltern Ersatz für die gefährdeten Grosseltern aus
dem Hut zaubern durften. Das schien dem Bundesrat wohl aber doch irgendwie
selbst nicht ganz logisch. Er verpflichtete also die Kantone mit einem
dahingeworfenen Satz in der Verordnung, Betreuungsangebote für Kinder zu
schaffen. Nur falls der Zauberspruch nicht bei allen gut funktionieren sollte.
Noch schulpflichtige Kinder sollten gar nicht verzaubert werden, Kitas hatten &nbsp;offen zu bleiben. Nur wenn alle Betreuerinnen
und Betreuer krank seien, dürfe der Betrieb schliessen. Oder wenn die
zuständigen Behörden andere geeignete Betreuungsangebote vorsähen. Ob es sich
bei diesen Betreuungsangeboten um Kitas handelt, darüber schweigen sich die
Erläuterungen aus. So hat denn auch jeder Kanton irgendetwas gemacht, teilweise
wurden die Kitas ganz gesperrt. Bei Spielgruppen war die kantonale Kreativität
übrigens noch grösser: Einige Kantone sahen diese als – offen zu bleibende –
Betreuungsangebote, andere als – zu schliessende – Freizeiteinrichtungen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Kitas ohne finanziellen Spielraum</h2>



<p>Schlussendlich durften jedenfalls fast überall nur noch in
systemrelevanten Berufen tätige Eltern ihre Kinder in die systemrelevanten Kitas
geben. Was in den Kitas zu exquisiten Privatbetreuungen führte. Die Eltern der
so exquisit betreuten Kinder wollten aber für diesen Luxus nicht doppelt und
dreifach bezahlen – was den übrigen Eltern die übliche Rechnung ins Haus
flattern liess. Die Freude über diese Post dürfte sich in Grenzen gehalten
haben. Die Kitas selbst müssen Miete und Löhne weiter bezahlen. Um die Gebühren
zu erlassen und auch nach der Pandemie noch zu existieren, fehlt den Kitas der
finanzielle Spielraum. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Kinder als Kantonssache</h2>



<p>Der Bundesrat hingegen reizt aktuell jeden finanziellen Spielraum
aus. Just bei Kindern ist ihm aber nicht mehr zum Spielen zumute. Das überlässt
er lieber den Kantonen, die sollen die Kitas und weitere Betreuungsangebote aus
der finanziellen Bredouille retten. Sogar die unterdessen wieder sitzenden
Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur des National- und Ständerates
rieben sich verwundert die Augen: Sie erinnerten den Bundesrat via <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20203128">Motion</a> an die
volkswirtschaftliche Bedeutung der familienergänzenden Betreuung und forderte
ihn auf, sich finanziell an den Ertragsausfällen der Kitas zu beteiligen. Den
Bundesrat beeindruckte auch dieser Wink mit dem Zaunpfahl nicht: Spielgruppen
dienten ohnehin bloss der sozialen Integration und im Übrigen sind Kinder
Kantonssache, punkt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Logik als Opfer der Pandemie</h2>



<p>Dass dieses föderalistische Argument in der aktuellen
ausserordentlichen Lage nicht nur aus rechtlicher Sicht etwas lächerlich ist,
zeigt sich in unserem Alltag, wo der Bundesrat faktisch sogar den
WC-Papier-Kauf regelt. Ich selber schwanke zwischen drei Erklärungen: Entweder
hat der Bundesrat, mangels eigener Erfahrung, Kinder schlicht nicht auf dem
Radar. Oder er findet, dass die Eltern – oder besser gesagt die Mütter – sich
schon irgendwie durchwursteln werden. Oder aber der &nbsp;eine oder andere wird bewusst auf reaktionäre
Kantone zählen und sich insgeheim über jede finanziell ruinierte Kita freuen.
Denn das wird einige Mütter dazu zwingen, ihre Berufstätigkeit aufzugeben. Dass
die betroffenen Kinder nach der Pandemie auch noch damit werden umgehen müssen,
nicht in ihr geliebtes Umfeld zurückkehren zu können, ist dann wohl ein
Kollateralschaden. </p>



<p>Bei einer unmittelbar bevorstehenden Wirtschaftskrise sollten wir allerdings erwarten dürfen, dass die Mitglieder des Bundesrates nicht aus dem traditionellen Bauch heraus, sondern mit einer volkswirtschaftlichen Logik entscheiden. Logik aber ist aber eines der offensichtlichsten Opfer der Pandemie. Findet auch mein Sohn Fjonn (5), welcher ab der WC-Papier-Geschichte nur den Kopf schüttelte: «Hä? Warum das denn? Hat die Frau 30 Füdlis?»</p>
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