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	<title>Coronakrise Archive - Mama-Jobs.ch</title>
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		<title>Kinder an die Macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vera Beutler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jan 2021 17:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«Lilith, ich weiss nicht, ob wir an Deinem Geburtstag ein Fest mit Götti, Gotte und Grosseltern machen können». Ein Satz, den wohl in den letzten Monaten so oder ähnlich viele Eltern ihren Kindern sagen mussten. Im Übrigen ist meine Familie aber in mehrfacher Hinsicht privilegiert: Wir haben die Möglichkeit viel<a class="moretag" href="https://blog.mama-jobs.ch/kinder-an-die-macht/"> Weiterlesen&#8230;</a></p>
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<p>«Lilith, ich weiss nicht, ob wir an Deinem Geburtstag ein Fest mit Götti, Gotte und Grosseltern machen können». Ein Satz, den wohl in den letzten Monaten so oder ähnlich viele Eltern ihren Kindern sagen mussten. Im Übrigen ist meine Familie aber in mehrfacher Hinsicht privilegiert: Wir haben die Möglichkeit viel Zeit draussen zu verbringen. Wir haben Respekt, aber keine Angst vor dem Virus. Wir können die getroffenen Massnahmen einigermassen einordnen und manchmal besser, manchmal schlechter, auch unseren Kindern vermitteln.  Natürlich hoffen wir deswegen, dass sie psychisch und emotional stabil durch die Pandemie kommen. &nbsp;</p>



<p><strong>Schulschliessungen auf Teufel komm raus</strong></p>



<p>Wir
brauchen hier nicht gross Hilfe vom Staat, ausser einer: Die Schulen für die
Kleinen müssen offen bleiben, solange es irgendwie geht. Gemäss x Initiativen
und wütender Tweets müssen zwar auf Teufel komm raus Schulschliessungen her. Wer
in einem Akt zivilen Ungehorsams seine Kinder trotz Schulpflicht nicht zur
Schule schickt, wird als Heldin gefeiert. Wie erwerbstätige Eltern eine
Schulschliessung stemmen sollen, ist ihnen überlassen. Zwar gibt es in einigen
Fällen Erwerbsersatz, aber erstens nicht für alle, zweitens ist auch ein
Erwerbsersatz nicht die Lösung für Eltern, die ihre Kinder schulisch nicht
unterstützen können und sowieso kann das das keine wochenlange Lösung für
tausende Familien sein. </p>



<p><strong>Wer
erwerbstätig ist, setzt falsche Prioritäten</strong></p>



<p>Schlussendlich
ist der Tenor: Wer arbeitet, hat selber schuld, so beispielsweise ein
Kommentarschreiber im Bund: «Ungeheuerlicher empfinde ich jedoch Eltern, welche
sich über die temporäre Vollzeitbetreuung ihrer Bälge echauffieren (…) In
solchen Fällen müsste dringend einmal die KESB überprüfen, welche Prioritäten solche
Eltern genau setzen.» Beliebt auch: Wenn ich das wuppen kann, sollen das
gefälligst alle anderen auch können. Dass nicht jeder Arbeitgeber HomeOffice
ermöglichen kann oder will, ist dabei nicht von Belang. Interessanterweise
kommen diese egozentrischen Aussagen genau von denjenigen, die den
Corona-Leugner*innen (zu Recht) mangelnde Solidarität vorwerfen. </p>



<p><strong>Bashing
und Falschmeldungen</strong></p>



<p>Schreibt
das BAG, dass Kinder nicht Treiber der Pandemie sind, wird reflexartig gebashed
dass die ohnehin keine Ahnung und anders als die Kolleg*innen in Deutschland
die neuesten Studien nicht gelesen hätten, zu faul oder mit der Pharmaindustrie
oder sonst mit der Wirtschaft verbandelt seien. Dass auch das Robert Koch
Institut unmissverständlich schreibt: «<a href="https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Praevention-Schulen.pdf?__blob=publicationFile">Kinder und jüngere Jugendliche sind
jedoch seltener betroffen als Erwachsene und nicht Treiber der Pandemie</a>», passt nicht in die
Argumentation und wird entsprechend ignoriert. Ich bin keine Ärztin, aber habe
doch schon den einen oder anderen komplexeren Text gelesen und verstanden. Dass
es namhafte Virolog*innen gibt, die Kinder als genauso ansteckend erachten,
gehört zum wissenschaftlichen Diskurs, macht aber die Aussagen von BAG und RKI
nicht einfach falsch. Wenn eine Pflegefachfrau medienwirksam behauptet, die
Stationen seien voll von an der neuen Mutation des Virus erkrankten Kindern, wird
das dankbar aufgenommen als weiteres Argument für Schulschliessungen. Dass das hingegen
schlicht eine <a href="https://www.bbc.com/news/uk-55518248">Falschmeldung</a> war, wird, richtig, ignoriert. Selbst die
Virologin Isabella Eckerle sagt übrigens im Interview mit SWR, dass es «<a href="https://www.swr.de/swr1/rp/virologin-isabella-eckerle-100.html">absolut
richtig sei</a>», dass die Schulen offen gehalten werden sollen.
Nicht weil sie es für erwiesen hält, dass Kinder keine Treiber seien, aber weil
sie über den wissenschaftlichen Gartenzaun schaut und weiss, dass in Kindern
auch eine Psyche wohnt.</p>



<p><strong>«Die»
Wissenschaft endet bei der Psyche der Kinder</strong></p>



<p>Die Erkenntnisse von Pädagog*innen und Kinderärzt*innen scheinen aber
für jene Schulschliessungsvertreter*innen, welche die mangelnde Würdigung «der»
Wissenschaft durch «die» Politik beklagen, irrelevant. Margrit Stamm,
Professorin für Erziehungswissenschaften, gab nach der Schulschliessung im
Frühling zu bedenken: «<a href="https://www.margritstamm.ch/blog/blog-uebersicht-bildung-und-erziehung/entry/die-lehren-aus-dem-lockdown.html">Neben
der fehlenden technischen Ausstattung hat manchen Eltern entweder die
Kompetenz, die Zeit oder das Interesse gefehlt, ihre Kinder beim Lernen zu
unterstützen. Hier ist das Homeschooling an seine Grenzen gestossen. Deshalb
ist zu erwarten, dass manche Schüler mit grösseren Defiziten als vorher wieder
zur Schule kommen. </a>» Ich bin zwar keine Pädagogin, lebe aber nicht in
einer Wohlstandsbubble und kann bestätigen: Das war so, bei uns hatten die
Klassenlehrerinnen aus gutem Grund gar nicht erst versucht, digitalen
Unterricht anzubieten. Die Prognose ist eingetroffen, die Defizite
erschreckend. </p>



<p>Der Direktor der Leipziger Klinik für Kinder und Jugendmedizin stellte trocken
fest: «<a href="https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/schulschliessung-corona-psychologische-auswirkungen-kinder-1.4987962">Wenn wir Kindern schaden wollen, dann sind Schulschließungen
sehr effektiv</a>». Ich bin nach
wie vor keine Ärztin, aber Mutter von Kindern, die in wild durchmischte Klassen
gehen und kann das ebenfalls bestätigen. All das fällt auch auf unsere Kinder
zurück. Und ja, ich gebe es zu, in diesem Sinne habe ich auch ein
urpersönliches Interesse daran, dass die Schulen offen bleiben. </p>



<p>Schulschliessungen schaden nicht allen, aber den meisten Kindern,
insbesondere solchen aus weniger privilegierten Familien. Sie bringen
erwerbstätige Eltern ans Limit, und wiederum sind hier jene im Tieflohnbereich
stärker betroffen. Es wäre für den Bundesrat natürlich am einfachsten, die
Schulen diskussionslos zu schliessen – die erwerbstätigen Eltern schauen dann
schon irgendwie selber. Ich wünschte mir hier Solidarität und hoffe, dass der Bundesrat
differenzierte Massnahmen beschliesst. Denn es gibt in der Pandemie nicht nur
Schwarz (Covidiot*innen) und Weiss
(Lockdown-bis-zum-Ende-der-Pandemie-Befürworter*innen). Sondern auch Grau in
vielen Schattierungen. Münzen wir diese in kreative und ganzheitliche Lösungen
um, werden wir an der Pandemie wachsen. </p>



<p>Die Kinder machen das schon mal vor. Lilith jedenfalls hatte kurz den
Mund verzogen, sehr schnell aber breit gegrinst: «So cool!» «Hä?» «Dann kann
ich endlich mal ein Geburtstagsfest im Sommer machen!».</p>
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		<title>Kindergarten im Bundesrat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vera Beutler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2020 08:04:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen und Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Kita]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei den Kindern geht dem Bundesrat die Puste aus «Ui. Da durfte eine Frau nicht 30 Pack WC-Papier kaufen und ist deswegen mit der ganzen Ladung ohne zu bezahlen aus dem Laden gerannt!» Meine Kinder schauten mich ungläubig an, wie so oft in der letzten Zeit. «Corona-Virus» ist der erste<a class="moretag" href="https://blog.mama-jobs.ch/kindergarten-im-bundesrat/"> Weiterlesen&#8230;</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Bei den Kindern geht dem Bundesrat die Puste aus</h2>



<p>«Ui. Da durfte eine Frau nicht 30 Pack WC-Papier kaufen und ist
deswegen mit der ganzen Ladung ohne zu bezahlen aus dem Laden gerannt!» Meine
Kinder schauten mich ungläubig an, wie so oft in der letzten Zeit. «Corona-Virus»
ist der erste medizinische Fachbegriff, den sie kennen, nennen tun sie ihn
einfach das «doofe» Virus. Das «doofe» Virus hat uns im Griff, unsere Gedanken,
unsere Familie, unseren Job, unser Alltag. Wie viele andere arbeite ich mehr
als üblich, fahre im Übrigen aber hinunter: Kein Arbeitsweg, keine
Auswärtstermine, keine Verabredungen, keine Vereins- oder andere Sitzungen. </p>



<p>Der Bundesrat aber, der sitzt und beschliesst in einem Tempo, von
dem ich in meinen Zeiten als Juristin in der Bundeskanzlei nicht mal wusste,
dass es das gibt. Und er macht das gut, durchdacht, besonnen. Meistens. Ab und
zu mit ein paar Patzern, aber diese zu kritisieren ist einfach, wenn man selber
nicht die ganze Schweiz notfallmässig neu organisieren muss. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Eltern müssen zaubern</h2>



<p>Aber sobald es um Familien und Kinder geht, kann ich nicht mehr
guten Gewissens von Patzern reden. Angefangen hat es zwar nicht schlecht. Der
Bundesrat schloss die Schulen nicht, weil sonst die gefährdeten Grosseltern
einspringen würden. Aber dann schloss er die Schulen doch. Mit einer Vorlaufzeit
von einem Wochenende, an dem Eltern Ersatz für die gefährdeten Grosseltern aus
dem Hut zaubern durften. Das schien dem Bundesrat wohl aber doch irgendwie
selbst nicht ganz logisch. Er verpflichtete also die Kantone mit einem
dahingeworfenen Satz in der Verordnung, Betreuungsangebote für Kinder zu
schaffen. Nur falls der Zauberspruch nicht bei allen gut funktionieren sollte.
Noch schulpflichtige Kinder sollten gar nicht verzaubert werden, Kitas hatten &nbsp;offen zu bleiben. Nur wenn alle Betreuerinnen
und Betreuer krank seien, dürfe der Betrieb schliessen. Oder wenn die
zuständigen Behörden andere geeignete Betreuungsangebote vorsähen. Ob es sich
bei diesen Betreuungsangeboten um Kitas handelt, darüber schweigen sich die
Erläuterungen aus. So hat denn auch jeder Kanton irgendetwas gemacht, teilweise
wurden die Kitas ganz gesperrt. Bei Spielgruppen war die kantonale Kreativität
übrigens noch grösser: Einige Kantone sahen diese als – offen zu bleibende –
Betreuungsangebote, andere als – zu schliessende – Freizeiteinrichtungen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Kitas ohne finanziellen Spielraum</h2>



<p>Schlussendlich durften jedenfalls fast überall nur noch in
systemrelevanten Berufen tätige Eltern ihre Kinder in die systemrelevanten Kitas
geben. Was in den Kitas zu exquisiten Privatbetreuungen führte. Die Eltern der
so exquisit betreuten Kinder wollten aber für diesen Luxus nicht doppelt und
dreifach bezahlen – was den übrigen Eltern die übliche Rechnung ins Haus
flattern liess. Die Freude über diese Post dürfte sich in Grenzen gehalten
haben. Die Kitas selbst müssen Miete und Löhne weiter bezahlen. Um die Gebühren
zu erlassen und auch nach der Pandemie noch zu existieren, fehlt den Kitas der
finanzielle Spielraum. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Kinder als Kantonssache</h2>



<p>Der Bundesrat hingegen reizt aktuell jeden finanziellen Spielraum
aus. Just bei Kindern ist ihm aber nicht mehr zum Spielen zumute. Das überlässt
er lieber den Kantonen, die sollen die Kitas und weitere Betreuungsangebote aus
der finanziellen Bredouille retten. Sogar die unterdessen wieder sitzenden
Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur des National- und Ständerates
rieben sich verwundert die Augen: Sie erinnerten den Bundesrat via <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20203128">Motion</a> an die
volkswirtschaftliche Bedeutung der familienergänzenden Betreuung und forderte
ihn auf, sich finanziell an den Ertragsausfällen der Kitas zu beteiligen. Den
Bundesrat beeindruckte auch dieser Wink mit dem Zaunpfahl nicht: Spielgruppen
dienten ohnehin bloss der sozialen Integration und im Übrigen sind Kinder
Kantonssache, punkt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Logik als Opfer der Pandemie</h2>



<p>Dass dieses föderalistische Argument in der aktuellen
ausserordentlichen Lage nicht nur aus rechtlicher Sicht etwas lächerlich ist,
zeigt sich in unserem Alltag, wo der Bundesrat faktisch sogar den
WC-Papier-Kauf regelt. Ich selber schwanke zwischen drei Erklärungen: Entweder
hat der Bundesrat, mangels eigener Erfahrung, Kinder schlicht nicht auf dem
Radar. Oder er findet, dass die Eltern – oder besser gesagt die Mütter – sich
schon irgendwie durchwursteln werden. Oder aber der &nbsp;eine oder andere wird bewusst auf reaktionäre
Kantone zählen und sich insgeheim über jede finanziell ruinierte Kita freuen.
Denn das wird einige Mütter dazu zwingen, ihre Berufstätigkeit aufzugeben. Dass
die betroffenen Kinder nach der Pandemie auch noch damit werden umgehen müssen,
nicht in ihr geliebtes Umfeld zurückkehren zu können, ist dann wohl ein
Kollateralschaden. </p>



<p>Bei einer unmittelbar bevorstehenden Wirtschaftskrise sollten wir allerdings erwarten dürfen, dass die Mitglieder des Bundesrates nicht aus dem traditionellen Bauch heraus, sondern mit einer volkswirtschaftlichen Logik entscheiden. Logik aber ist aber eines der offensichtlichsten Opfer der Pandemie. Findet auch mein Sohn Fjonn (5), welcher ab der WC-Papier-Geschichte nur den Kopf schüttelte: «Hä? Warum das denn? Hat die Frau 30 Füdlis?»</p>
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